Seelenimpuls für Woche 4 in 2018 | Lara´Marie Obermaier

Dem Drama entkommen.

Heute im Wald lagen vor mir zwei Bäume, gefällt vom Sturm.
Was beiden gemein war: sie waren von Efeu dicht umwickelt und das machte sie zu schwer, sie wurden vom Wind gebrochen. Für die Bäume ist es das Ende, während sich der Efeu einen neuen Wirt sucht.

Im übertragenen Sinne: was ist in unserem Leben der Efeu, für den wir uns als Wirt zur Verfügung stellen, der uns fest im Griff hat, uns die Luft nimmt? Ist es der Job, unsere Beziehung, unsere Eltern, bestimmte Freunde? Sind es Süchte, die uns im Griff haben? Wir mögen glauben, wenn wir uns aus dieser Einengung lösen könnten, dann wären wir frei, sorglos, glücklich. Wenn der Druck zu groß wird, dann kann es sein, dass wir ausbrechen: wir schmeißen den Job hin, wenn auch nur innerlich, verlassen die Beziehung, reduzieren Kontakte auf ein Minimim bis zum Abbruch. Das Problem ist: auch wenn wir gehen, nehmen wir uns selbst mit. Das heißt, das Muster ist nicht gelöst und wird sich wiederholen.
Wie werden wir wieder zum Fluss, der seinem Weg unbeirrt aller Hindernisse treu folgt?

Ein Lösungsansatz:

Wir setzen mal nicht bei dem Offensichtlichen wie dem Job, dem Partner, der Mutter/dem Vater an, nicht bei der Zigarette sondern bei dem, was uns wirklich verstrickt. Meist sind wir in dem aus der TA bekannten Drama-Dreieck verfangen, des ständigen Wechsels zwischen Opfer, Täter, Retter.

Nehmen wir das Beispiel Arbeit: wir bekommen immer mehr aufgebürdet und kommen in die Überlastung (Opfer). Plötzlich kommt der Moment, in dem es aus uns herausbricht und wir wehren uns: wir zetteln einen Konflikt mit dem/der Vorgesetzten an oder lassen uns krankschreiben, welche Strategie wir auch wählen, damit sind wir im Täter. Dann wird uns meist schnell klar, dass wir überreagiert haben und unseren Job gefährden. Nun tun wir alles, um den vermeintlichen Schaden zu begrenzen und werden zu unserem eigenen Retter. Wir arbeiten also noch mehr, lassen uns noch mehr bieten – und sind wieder im Opfer.

Erkennst Du Dich als im Drama-Dreieck verfangen wieder? Allein das Bewusstsein über diese Dynamik wird schon etwas ändern.

Übung

Nimm‘ Dir drei kleine Gegenstände, wie z.B. Spielfiguren. Stelle sie vor Dir in einem gleichschenkligen Dreieck auf. Entscheide, in welche Position Du zuerst eintauchen möchtest. Du nimmst den Gegenstand in die Hand und fühlst Dich z.B. als Opfer ein.

Lass‘ alle negativen Emotionen beobachtend zu. Atme tief durch die Nase ein, lass‘ sie durch den Mund los. Fahre damit so lange fort, bis die Emotion nicht mehr in Dir spürbar ist. Stelle den Gegenstand zurück und nehme nun den Gegenstand für den Täter auf und wiederhole den Prozess wie beim Opfer.

Gleiches machst Du dann mit dem Retter.

Nun wählst Du einen weiteren kleinen Gegenstand aus und stellst ihn in die Mitte des Dreiecks. Das ist jetzt Deine Beobachter Position.

Im zweiten Durchgang wirst Du erstaunliches entdecken: jede Position enthält Geschenke für Dich und die sind so groß, dass Deine Seele sie auf keinen Fall aufgeben will.

Nun nimmst Du die Geschenke zu Dir! Nehme den Gegenstand der Beobachter Position in die Hand sowie den Gegenstand für das Opfer. Nun fühle Dich ein, wenn Du das Opfer bist: welche Geschenke sind in dieser Position? Das könnte eine Wichtigkeit sein (Job-bezogen: ohne mich gehts nicht, das kann nur ich), oder Aufmerksamkeit. Was sind Deine Geschenke in dieser Position? Atme sie tief ein und beim Ausatmen durch den Mund lässt Du das Seelengeschenk überall in Dir hinfliessen, von Kopf bis Fuß, bis in Deine Zellen.

Nun stellst Du den Gegenstand für das Opfer zurück und nimmst in der Beobachter Position wahr, wie sich Dein Körper mit diesen Geschenken anfühlt. Nun wiederholst Du das Gleiche mit dem Täter und dem Retter.

Zum Schluss nimmst Du in der Mitte nochmals alle Geschenke über Deinen Atem zu Dir und triffst die Entscheidung, dieses Dreieck bewusst zu lassen. Nimm das Beobachter-Objekt und verlasse beherzt das Dreieck.

Du kannst nun der Fluss sein, indem Du die Verflechtung der negativen Emotionen und der Geschenke für Dich aufgelöst hast.