Entschleunigung: die lineare Zeit mit schamanischem Zeitverständnis durchdringen

Wie oft fühlen wir uns fest im Griff der Zeit, sagen: ich habe keine Zeit für… mich, meine Freunde, meine Träume.
Wie oft werden wir von außen strukturiert und fühlen uns in ein Korsett gezwängt. Zeit scheint der alles bestimmende Faktor zu sein. Die lineare Zeit, die so sehr ihr Diktat ausübt, stammt aus unserer menschlichen Erlebnis-Frequenz. Sie wurde geprägt – wen erstaunt es – von der Kirche, die durch festgesetztes Glockengeläut mit dem Ruf zum Gebet den Tag aller strukturierte. Die fortschreitende Industrialisierung löste dies später ab und es etablierte sich die mittlere Zeit, so, wie wir sie als Zeiteinteilung kennen.

Ganz anders die indigenen Völker. Sie folgen als Zeit dem Lauf der Sonne und des Mondes und das gibt ihnen wesentlich größere Spielräume ihrer eigenen Struktur. Es ist dem natürlichen Lauf folgen und nicht einem festgelegten Wert.
Nun mag man sich fragen, wie soll das in unserem westlichen Alltag gehen? Wir müssen pünktlich sein, bei der Bahn, zum Meeting, zur Schule, zur Arbeit.

Schamanen sind ein Volk der Wahrnehmung, wenn sie einen Umstand ändern wollen, dann verändern sie ihre Wahrnehmung. Beboachte Dich selbst einmal: Du gehst spazieren. Was geschieht da mit Dir? Schaffst Du es, Dich einfach dem Fluss zu überlassen, wahrzunehmen, wie die Natur um Dich herum wirkt, wie die Wolken ziehen, die Sonne wandert, sich der Untergrund auf dem Du gehst anfühlt? Oder bist Du so in Gedanken vertieft, dass Du die Umgebung völlig ausblendest und schon beim nächsten Meeting bist, ein Problem analysierst, nebenbei auf Deinem Smartphone Nachrichten abrufst – das berühmte Multitasking? Oder musst Du dem Spaziergang einen Sinn geben, indem Du zusätzlich ins „Walking“ schaltest, also gleichzeitig Deinen Körper trainieren willst? Auch das ist Multitasking….

Beboachte Dich auch bei Deiner Arbeit: Wie sehr bist Du wirklich präsent mit dem, was Du gerade tust? Bist Du ganz im Moment darauf konzentriert und erledigst (das ursprünglich „sich befreien“ bedeutete)? Oder schweifst Du ständig ab und Deine Gedanken gehen auf Wanderschaft oder Du versuchst nebenbei ein größeres Problem zu lösen, oder verlierst Dich in Tagträumen? Erstaunlich nicht wahr, dass wir uns dadurch vom „uns befreien“ weit entfernen und in die Unfreiheit kommen.

Wenn wir in der schamanischen Zeit sind, in der alles gleichzeitig geschieht (so, wie von der modernen Physik bestätigt), dann können wir uns erlauben, ganz im jeweiligen Moment präsent zu sein. Das, was ansteht, wahrnehmen und unseren Fokus gesammelt darauf richten und erledigen. Eins nach dem anderen. Nein, das ist nicht langsam, sondern es bringt Dich mit allem, was Du tust in die richtige Beziehung, denn Du ehrst das, was gerade ist mit Deiner vollen Aufmerksamkeit. Dadurch ergeben sich Lösungen, dadurch strukturierst Du Deine ganz persönliche Zeit und schaffst Dir Freiräume. Du wirst auch erkennen, wann Du Dir zuviel aufgehalst hast und Grenzen setzen – auch Deinen eigenen Ansprüchen an Dir selbst gegenüber.

So halten es die Schamanen. Das ist in den indigenen Völkern ganz selbstverständlich verwurzelt, unbeeinflusst von den Kontrollmechanismen der Religionen. Eine befreiende Einsicht, dass wir die Wahl haben, uns diese Wahrnehmung zu eigen zu machen.

 

Pin It on Pinterest