9. Raunacht 2017/2018 | Lara´Marie Obermaier

Frieden und Freiheit durch Verzeihen und Versöhnen.

Um wirklich frei sein zu können für das Neue, das wir uns für dieses Jahr wünschen, können wir nicht länger ignorieren, wem wir bislang noch nicht verziehen haben oder in die Versöhnung gegangen sind.
Warum uns das oft so schwer fällt, hat verschiedene Anteile: da mögen große Verletzungen in uns sein wie missbrauchtes Vertrauen, Zurückweisung, Geringschätzung, unterschiedliche Arten von Schaden.

Verzeihen ist ein innerer Prozess, der erst einmal mit dem anderen Menschen, oder Organisation, nichts zu tun hat. Wenn wir uns für die Kraft des Verzeihens entscheiden, dann lösen wir damit auch Energieverstrickungen auf, die uns immer noch an die Situation und damit an den Menschen oder eine Institution binden.

Wir können auch in die Entscheidung gehen, ob wir dem Verzeihen auch die Versöhnung hinzufügen möchten. Es kann sein, dass ein Mensch nicht mehr lebt, eine Organisation nicht mehr existiert, so dass eine Versöhnung, zu der immer zwei Seiten gehören, nicht mehr stattfinden kann. Es kann auch sein, dass Deine Seele Dich warnt, über das Verzeihen hinaus mit diesem Menschen oder dieser Institution (das kann eine Kirche, ein Arbeitgeber etc. sein) wieder in den Kontakt zu gehen, weil auf der anderen Seite keine Veränderung stattgefunden hat.

Verzeihen geht immer der Versöhnung voraus. Verzeihen bedeutet, uns zuerst einmal selbst zu verzeihen, dass wir dieser Verletzungg das Tor geöffnet haben. Nur indem wir auch diese Situation ganz zu uns zurücknehmen, sind wir in der Kraft und Lage, uns davon zu befreien. Wenn wir darauf warten, dass der andere einen Schritt auf uns zugeht, damit wir verzeihen können, dann gehen wit in eine Abhängigkeit, die das Gegenteil von Freiheit ist.

Übung

Geh‘ wieder in die Unterwelt, d.h. wähle das 9. UG und lasse Dich von Persephone in Empfang nehmen und zu Deinem Meditationsplatz führen. Mach Dich bereit, die Verletzungen und die damit einhergehenden Emotionen zu empfangen, wie man ein weinendes, verletztes oder zorniges Kind in die Arme nimmt.

Schau‘ Dir den Schmerz an, wo Du das Tor dafür aufgemacht hast. Vielleicht sagst Du nun zu Dir: „das kommt von meiner Vertrauensseligkeit, von meiner Naivität etc., am besten ich vertraue nicht mehr“. Das wird nicht hilfreich sein, denn dann sind immer noch Emotionen um die Verletzung gewickelt, die weiter ihre Eigendynamik betreiben.

Erlösender ist es, der Spur noch weiter zu folgen: was liegt denn hinter der Vertrauensseligkeit, der Naivität? Was wolltest Du tatsächlich in Dir heilen, befriedigen, indem Du Dich so vollständig ausgeliefert hast und damit der Verletzung Tür und Tor öffnetest?

Es kann sein, dass Du jetzt nochmals Schmerz empfindest und das ist in Ordnung. Denn Schmerz passiert, aber das Leiden = in der Situation verhaftet bleiben – ist optional. Lass‘ den Schmerz zu und durch Dich durchließen und tröste und halte Dich dabei wie ein Kind, dem Du Zusicherungen gibst (wie ..ich weiß.., ich bin hier für Dich…, jetzt bist Du sicher…).
Indem Du den Schmerz in Dir auflöst, befreist Du Dich.

Der zweite Schritt ist, nun hier in Deiner Unterwelt für Dich aufzuspüren, inwieweit die Versöhnung für Dich stimmig ist. Vielleicht ist es ein langer Zwist mit einem Familienmitglied, das noch lebt: welches Geschenk liegt für Dich in der Versöhnung? Wie kann sich sich Dein Leben dadurch positiv verändern? Zur Versöhnung gehören zwei: es kann gut sein, dass die andere Person noch nicht dazu bereit ist. Dann geh‘ Du diesen Schritt für Dich im Herzen und bleibe offen, ohne etwas zu wollen.

Bringe mit Persephone alles, was schwer war und was Du heute in Dir ent-deckt hast, zum Fluß in Deiner Unterwelt. Das Wasser wird es mitnehmen und reinigen. Du kannst auch selbst in diesen Fluß steigen und Dich selbst nochmals ganz reinigen und klären lassen und Dich völlig für die Freiheit für all das Neue bereit machen.

Nun dankst Du Persephone und kehrst in diese Welt zurück.

Heute an diesem Super-Vollmond kannst Du auch ein Feuer machen: bringe für all die Verletzungen ein Stöckchen und puste sie in das Stöckchen. Dann übergibst Du das Stöckchen dem Feuer. Die schwere Energie wird Asche und Nahrung für Mutter Erde. Nun nimmst Du ein weiteres Stöckchen und bläst mit Deinem heiligen Atem alles, was Du Dir durch die neugewonnene Freiheit in Dein Leben einladen möchtest, in das Stöckchen. Gib‘ auch dieses Stöckchen in das Feuer. Der Rauch wird Deine Gebete zu Spirit tragen.