Sinnliche Achtsamkeit – achtsame Sinnlichkeit.

Seit Beginn der Christianisierung und im späteren Verlauf durch die calvinistisch geprägte Lebensweise war „Sinnlichkeit“ als etwas lasterhaftes verpönt.
Sinnlichkeit widerspricht der strengen Ordnung, der Nüchternheit. Sinnlichkeit gilt immer noch als Zeitverschwendung. Deshalb ist es höchste Zeit, uns unsere eigene Sinnlichkeit wieder zurück zu erobern!

Denn Sinnlichkeit bedeutet, mit all unseren Sinnen präsent in der Wahrnehmung zu sein. Es gehörte zur Manipulation der Massen, den Kontakt zur eigenen Sinnlichkeit und damit der eigenen Wahrnehmung zu bestrafen und einzuschränken. Aber nur wenn wir bewusst wahrnehmen, sind wir in der Achtsamkeit für unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche und für die der anderen, auch für unsere Umwelt. Ohne unsere sinnliche Wahrnehmung kann es keine Achtsamkeit geben.

Ohne die bewusste Einbeziehung unserer Wahrnehmung „passiert“ uns das Leben. Dh, wir sind in der Reaktion auf Situationen, müssen einen Weg finden, damit umzugehen. Das kann uns ganz schön beschäftigen und viel Kraft kosten. Und es sind meist nicht die Situationen, die wir gewählt hätten, wenn wir die Wahl gehabt hätten.

Leben passiert – wie wir uns im Leben bewegen, können wir über unsere sinnliche Achtsamkeit bewusst steuern. Wenn wir uns darauf rück-besinnen (da steckt das Wort Sinnlichkeit auch drin…) auf unsere Sinneskraft, dann werden wir zunehmend wahrnehmen, was in uns und um uns geschieht, welche Entwicklungen sich abzeichnen, auch, wenn sie noch nicht sichtbar oder konkret sind. Wenn wir achtsam mit unseren Sinnen werden, sind auch die „über“-sinnlichen Räume wieder für uns zugänglich.

Übung

Heute möchte ich Dich einladen, Dich ganz Deinen Sinnen hinzugeben. Deine Meditation ist die „Jetzt“-Wahrnehmung über den ganzen Tag. Beginne damit, was Du beim Lesen dieser Botschaft in Dir wahrnimmst.

  1. Wie fühlt es sich in Deinem Körper an. Spüre, wo Du auf einmal Deinen Körper wahrnimmst. Ist es Dein Bauch, Dein Brustkorb, Deine Arme oder Beine? Wie fühlt es sich dort an?
  2. Welche Gefühle kommen in Dir beim Lesen dieses Textes hoch? Lass‘ sie einfach ohne Bewertung aufsteigen. Nimm‘ sie wahr! Es sind Deine Gefühle und Emotionen, die in Dir wohnen, die Dich auch – meist – unbewusst steuern. Beobachte sie.
  3. Welche Bilder kommen Dir beim Lesen dieses Textes. Verlange jetzt nicht von Dir, dass da ein Spielfilm vor Deinem inneren Auge abläuft. Eine Brücke zur Visualisierung ist: Stelle Dir die Frage: welches Szenario fällt mir jetzt dazu ein?

Und so gehe durch den Tag. Alles, was Dir heute begegnet, betrachte mit dieser achtsamen Sinnlichkeit.
Das ist die praktische Umsetzung „des Lebens im Jetzt“. Denn wir leben in diesem Moment, nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft. Wenn Du diese Übung zu Deiner Gewohnheit machst, weitest Du den Kontakt zu Deiner eigenen Sinnlichkeit beständig aus.

Pin It on Pinterest